Pietrabruna: Lavendel, „Stroscia“ und Sonnenwendbräuche

Veröffentlicht am 1 August 2026

Traditionen zu Beginn des Sommers in Pietrabruna: Lavendel, die „Stroscia“ und die Rituale zur Sommersonnenwende

Pietrabruna, an den Hängen des Monte Faudo zwischen dem Val San Lorenzo und den Grenzen des Val Prino gelegen, hütet ein reiches Erbe an Geschichten, die gerade mit dem Eintreffen der Sommersonnenwende wieder zum Leben erwachen. Zu dieser Jahreszeit verflechten sich die landwirtschaftlichen Arbeiten mit alten Ritualen, die mit dem Land, der Bergblüte und der Volksfrömmigkeit verbunden sind. Wer diese Gegend zu Beginn des Sommers erkundet, kann die wahre ländliche und arbeitsame Seele des westlichen Liguriens kennenlernen, fernab vom Massentourismus an den Stränden.

Die historische Lavendelernte und -destillation in Pietrabruna

Bevor sich die Riviera di Ponente untrennbar mit dem Badetourismus verband, stützte sich die Wirtschaft von Pietrabruna auf drei Hauptsäulen: den Olivenanbau, den Blumenanbau und insbesondere die Lavendelernte. Zwischen Ende Juni und Anfang Juli färbten sich die Hänge des Monte Faudo und die Terrassenfelder rund um das Dorf in violette Farbtöne. Es handelte sich nicht nur um eine einfache Blüte, die man bewundern konnte, sondern um eine grundlegende wirtschaftliche Ressource für die einheimischen Familien.

Geerntet wurde hauptsächlich Wildlavendel, der hier „Aspic“ oder „Lavandino“ genannt wird und auf den kalkhaltigen, sonnigen Böden des ligurischen Hinterlands üppig wächst. Ganze Familien stiegen am frühen Morgen die Bergpfade hinauf, ausgerüstet mit Sicheln, um die blühenden Stängel abzuschneiden. Die Sträuße wurden dann zusammengebunden und auf den Schultern oder auf dem Rücken von Maultieren in großen Hanftüchern zu den Brennereien des Dorfes transportiert.

In Pietrabruna erfolgte die Destillation in historischen Destillierkolben mit Direktbefeuerung. Der Wasserdampf strömte durch die gepressten Blüten und extrahierte so das ätherische Öl: eine goldfarbene, intensiv duftende Flüssigkeit, die anschließend an die Parfümindustrie verkauft wurde, insbesondere an die im benachbarten Frankreich. Obwohl die industrielle Produktion heute im Vergleich zum letzten Jahrhundert zurückgegangen ist, halten einige kleine lokale landwirtschaftliche Betriebe diese Tradition am Leben und destillieren den Lavendel in den ersten Juliwochen noch immer nach traditionellen Methoden.

Das Ritual der „Stroscia“: der Kuchen, den man mit den Händen bricht

Man kann die gastronomische Identität von Pietrabruna nicht verstehen, ohne die „Stroscia“ zu erwähnen. Dieses Gebäck, das eng mit der Verfügbarkeit einfacher Zutaten aus der Region verbunden ist, stellt die perfekte Verbindung zwischen der bäuerlichen Küche und der Notwendigkeit dar, Lebensmittel in den heißen Monaten langfristig zu konservieren.

Das traditionelle Rezept basiert auf wenigen Zutaten, die eng mit der Region verbunden sind:

  • Weichweizenmehl: die Grundlage der lokalen Backkunst.
  • Natives Olivenöl extra: ausschließlich aus der Sorte Taggiasca, das dem Gebäck Weichheit und Aroma verleiht, ohne die anderen Geschmacksnoten zu überdecken.
  • Zucker und Hefe: um die richtige Süße zu verleihen und das leichte Aufgehen zu fördern, das den Kuchen mürbe macht.
  • Aromatischer Likör: in der Regel Wermut oder Marsala, der zum Ablöschen des Teigs verwendet wird und ihm eine charakteristische aromatische Note verleiht.

Was die Stroscia so einzigartig macht, ist der vollständige Verzicht auf Butter oder Eier, die vollständig durch Olivenöl ersetzt werden. Dies verleiht ihr nicht nur eine trockene Konsistenz, sondern ermöglichte es in der Vergangenheit auch, das Gebäck wochenlang aufzubewahren, ohne dass es seine organoleptischen Eigenschaften verlor. Es war das ideale Essen für die Bauern, die ganze Tage auf den Feldern oder in den Olivenhainen unter der Sommersonne verbrachten.

Der Name des Gebäcks leitet sich vom dialektalen Verb „strosciare“ ab, was so viel wie „zerbrechen“, „zerreißen“ oder „zerkleinern“ bedeutet. Die lokale Tradition schreibt nämlich vor, dass die Stroscia niemals mit einem Messer geschnitten wird. Um sie zu verzehren, muss man den Kuchen in der Mitte mit der Faust anschlagen oder ihn direkt mit den Händen zerbrechen, wobei man den natürlichen Rissen folgt, die sich auf der goldbraunen Oberfläche bilden. In den Sommermonaten ist es üblich, ihn am Ende einer Mahlzeit zusammen mit einem Glas Süßwein oder Passito zu genießen.

Die Johannisfeuer und die Kräuter der Sommersonnenwende

Die Nacht vom 23. auf den 24. Juni, die mit dem Fest des Heiligen Johannes des Täufers zusammenfällt, stellt einen entscheidenden Moment in der Folklore von Pietrabruna dar. Dieses Fest, das alte heidnische Riten im Zusammenhang mit der Sommersonnenwende mit der christlichen Liturgie verbindet, feiert den Triumph des Lichts über die Dunkelheit und den Beginn der Zeit, in der die Natur ihre größte Kraft entfaltet.

Früher wurden am Vorabend große Lagerfeuer auf den vom Dorf aus sichtbaren Anhöhen entzündet. Das Feuer hatte eine reinigende und schützende Funktion für die bevorstehenden Ernten. Die Jugendlichen des Dorfes sprangen als Mutprobe und als Versöhnungsritual für die Gesundheit über die erlöschende Glut.

Mit dieser Nacht verbunden ist auch das Sammeln der Sonnenwendkräuter, allen voran das Johanniskraut, im Volksmund „Erba di San Giovanni“ genannt. Diese Pflanze wird am Morgen des 24. Juni geerntet, wenn die gelben Blüten noch vom Morgentau benetzt sind, und zur Herstellung des Johannisöls verwendet. Die Blüten werden etwa vierzig Tage lang in Olivenöl in der Sonne mazeriert, bis eine intensiv rote Flüssigkeit entsteht, die traditionell in der Volksmedizin zur Linderung von Sonnenbrand und zur Heilung von Hautwunden verwendet wird.

Die alte Verbindung zum Monte Faudo und zur Transhumanz

Der Beginn des Sommers fiel historisch gesehen mit der Transhumanz zusammen, der saisonalen Wanderung der Schaf- und Rinderherden zu den Bergweiden. Pietrabruna, am Fuße des Monte Faudo (1149 Meter ü. NN) gelegen, hat seit jeher eine verbindende Rolle zwischen der Küste und den hochgelegenen Weiden gespielt.

Die örtlichen Hirten, die im Winter die Weiden im Tal nutzten, stiegen auf den Pfaden hinauf, die das Dorf mit dem Gipfel des Monte Faudo verbinden. Dieser Umzug garantierte den Tieren frisches Gras und mildere Temperaturen während der heißesten Monate des Jahres. Auch wenn die groß angelegte Transhumanz heute fast vollständig verschwunden ist, sind die Wege, die von Pietrabruna zum Monte Faudo hinaufführen, nach wie vor historische Pfade von großem Interesse, um die Organisation des Gebiets zu verstehen, das durch alte Tränken aus Stein und Trockenmauern geprägt ist, welche die ehemaligen Weidegrundstücke begrenzen.

Davides Tipp: Wenn ihr euch im Sommer entscheidet, nach Pietrabruna hinaufzusteigen, um die Gassen zu erkunden oder die Wege in Richtung Monte Faudo zu beschreiten, denkt daran, dass die Altstadt eine reine Fußgängerzone ist und mit Kopfsteinpflaster gepflastert ist, das rutschig sein kann. Parkt euer Auto auf den dafür vorgesehenen Parkplätzen am Ortseingang, in der Nähe der Pfarrkirche, und zieht leichte Wanderschuhe oder Schuhe mit gutem Profil an. Wenn ihr außerdem vorhabt, auf den sonnenexponierten Bergwegen zu wandern, solltet ihr unbedingt ausreichend Wasser mitnehmen: Auf den Aufstiegswegen zum Bergkamm gibt es außerhalb der Ortschaft keine Wasserstellen.

Foto di Igor La Prado su Pexels

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