Die „Torta Verde Ligure“: eine Tradition aus dem Val Prino und Dolcedo

Veröffentlicht am 16 Juli 2026

Die echte ligurische „Torta Verde“: die Tradition des Val Prino und von Dolcedo

Der Sommer im Hinterland von Imperia bringt den intensiven Duft der von der Sonne erwärmten Erde mit sich und eine Stille, die nur vom Zirpen der Zikaden in den Olivenbäumen unterbrochen wird. Zu dieser Jahreszeit erfüllt ein unverwechselbarer Duft die Küchen des Val Prino: der Duft der ligurischen „Torta Verde“, einer rustikalen Speise, die die Essenz unserer ländlichen Küche in sich vereint. Abseits der ausgetretenen Touristenpfade steht dieses Rezept für die tiefe Verbindung zwischen der bäuerlichen Küche und der wildwachsenden Vegetation der Hügel im westlichen Ligurien.

Die „Torta verde“ aus dem westlichen Ligurien: eine mit dem Land verbundene Identität

Oft mit der berühmten genuesischen „Torta Pasqualina“ verwechselt, besitzt die für Westligurien und insbesondere für die Hügel rund um Dolcedo typische „Torta verde“ eine ganz eigene Identität. Während die genuesische „Pasqualina“ eine hohe Torte ist, reich an zahlreichen übereinanderliegenden Teigschichten, im Inneren gekochten ganzen Eiern und „Prescinseua“, ist die Version aus unserem Tal deutlich dünner, rustikaler und eng mit den Erträgen aus dem Gemüsegarten und den Feldern während der schönen Jahreszeit verbunden.

Die ligurische Küche ist historisch gesehen eine Küche der Sparsamkeit und des Einfallsreichtums. In den Bergdörfern des Val Prino nutzten die Familien das, was das Land von selbst hervorbrachte oder was mit wenig Wasser in den terrassierten Gemüsegärten wuchs. So entstand die „Torta verde“: ein hauchdünner Teig aus nichts als Wasser, Mehl und nativem Olivenöl extra, der eine großzügige Füllung aus saisonalem Gemüse, Wildkräutern und oft einer Handvoll gekochtem Reis umschließt, um Konsistenz zu verleihen und die Feuchtigkeit der Pflanzen aufzunehmen.

Die Zutaten: die Einfachheit des Sommergemüsegartens

Während der Sommersaison passt sich die Zusammensetzung der Füllung dem Klima an. Während im Frühling Wildkräuter bevorzugt werden, steht im Sommer der Mangold (im Volksmund „Erbetta“ genannt) im Mittelpunkt, oft begleitet von den für den westlichen Teil Liguriens typischen Trompeten-Zucchini, die der Mischung eine zarte und süße Note verleihen.

Hier sind die wesentlichen Zutaten für eine authentische „Torta verde“:

  • Der Teig („Pasta matta“): Er wird ausschließlich ohne Hefe zubereitet. Nur Weichweizenmehl, lauwarmes Wasser, eine Prise Salz und das unverzichtbare native Olivenöl extra aus den Taggiasca-Oliven des Val Prino. Der Teig muss lange geknetet und dann mit dem Nudelholz ausgerollt werden, bis er fast durchsichtig ist.
  • Das Gemüse: Frischer Mangold, hauchdünn geschnitten. Nach der authentischsten Tradition wird das Gemüse nicht vorgekocht, sondern roh verwendet, nachdem es gesalzen wurde, um überschüssiges Wasser zu entfernen. So bleiben der ursprüngliche Geschmack und die Konsistenz der Blätter erhalten.
  • Der Reis: Eine Handvoll normaler Reis, in Salzwasser sehr al dente gekocht. Er hat eine strukturelle Funktion: Er dient dazu, die Füllung zu binden und die Säfte aufzunehmen, die der Mangold während des Backens im Ofen abgibt.
  • Bindemittel und Aromen: Frische Eier, geriebener Käse (Parmesan oder gereifter Pecorino) und frische Frühlingszwiebeln, die fein gehackt und in Öl sanft angeschwitzt werden, bevor sie unter die übrigen Zutaten gemischt werden.

So wird die „Torta verde“ zubereitet: die Schritt-für-Schritt-Anleitung

Die Zubereitung der „Torta verde“ ist ein Ritual, das Geduld und präzise Handgriffe erfordert, die in den Küchen unseres Tals von Generation zu Generation weitergegeben werden.

1. Die Zubereitung der Füllung

Waschen Sie zunächst den Mangold sorgfältig. Trocknen Sie ihn gründlich ab und schneiden Sie ihn in sehr dünne Streifen. Geben Sie ihn in ein Sieb, bestreuen Sie ihn mit einer Handvoll grobem Salz und lassen Sie ihn mindestens eine Stunde ruhen. Dieser Schritt ist entscheidend: Das Salz entzieht dem Gemüse das Wasser. Nach Ablauf der Zeit drückt ihr es kräftig mit den Händen aus, eine Handvoll nach der anderen, bis keine Flüssigkeit mehr austritt.

In der Zwischenzeit eine Handvoll Reis in Salzwasser kochen und sehr al dente abgießen. In einer Pfanne die gehackten Frühlingszwiebeln bei schwacher Hitze mit einem Schuss nativem Olivenöl extra anschwitzen, ohne dass sie Farbe annehmen.

2. Der „Pasta matta“-Teig

Das Mehl auf einem Nudelbrett zu einem Berg formen. In die Mitte lauwarmes Wasser, einen Esslöffel natives Olivenöl extra und eine Prise Salz geben. Kneten Sie den Teig kräftig durch, bis er glatt, elastisch und geschmeidig ist. Decken Sie ihn mit einem feuchten Geschirrtuch oder einer warmen Schüssel ab und lassen Sie ihn etwa eine halbe Stunde bei Raumtemperatur ruhen. Durch diese Ruhephase kann sich das Gluten entspannen, wodurch der Teig extrem dehnbar wird.

3. Die Zutaten vermengen

Vermischen Sie in einer großen Schüssel den gut ausgedrückten Mangold, den lauwarmen Reis, die geschmorten Frühlingszwiebeln, die verquirlten Eier und eine großzügige Handvoll geriebenen Käse. Vermischen Sie alles sorgfältig, bis eine homogene Masse entsteht. Wenn Sie möchten, können Sie eine Prise frisches Majoran hinzufügen, ein aromatisches Kraut, das in der Küche des Ponente nie fehlt.

4. Ausrollen und Backen

Teilen Sie den „Pasta matta“-Teig in zwei Teile, von denen einer etwas größer ist als der andere. Rollen Sie den größeren Teil mit Hilfe eines Nudelholzes (und anschließend durch vorsichtiges Ausbreiten mit den Handrücken) zu einem hauchdünnen Teigblatt aus. Legen Sie es auf den Boden einer zuvor mit Öl eingefetteten runden Backform, sodass der Teig über den Rand hinausragt.

Verteilen Sie die Gemüse-Reis-Füllung gleichmäßig auf dem Teig und streichen Sie sie mit einem Löffel glatt. Rollen Sie den zweiten Teigteil ebenso dünn aus und legen Sie ihn auf die Füllung. Falten Sie die Ränder des unteren Teigblatts nach innen und formen Sie so eine dekorative Kante, die die Torte verschließt. Bestreichen Sie die Oberfläche mit etwas nativem Olivenöl extra und stechen Sie sie vorsichtig mit den Zinken einer Gabel ein, damit sie sich beim Backen nicht aufbläht.

Im auf 180 °C vorgeheizten Backofen etwa 40–45 Minuten backen, bis die Oberfläche goldbraun und knusprig ist. Die „Torta verde“ sollte lauwarm oder – noch besser – am nächsten Tag bei Zimmertemperatur genossen werden, wenn sich die Aromen perfekt vermischt haben.

Ein Gericht zum gemeinsamen Genießen unter der Pergola

An den heißen Sommertagen im westlichen Ligurien ist die „Torta verde“ nicht nur eine Mahlzeit, sondern ein Symbol der Geselligkeit. Sie ist das unverzichtbare Gericht bei Mittagessen im Freien, bei Ausflügen auf die Bergwiesen oder im Schatten der Weinlauben, die die Häuser unserer Bergdörfer prägen. Dank ihrer praktischen Handhabung lässt sie sich perfekt transportieren und ist eines der beliebtesten Gerichte bei den Patronatsfesten, die in den Monaten Juli und August die Dörfer des Val Prino beleben.

Jede Familie hütet ihre eigene Variante des Rezepts: Manche fügen geriebene Zitronenschale hinzu, um dem Gericht Frische zu verleihen, andere bevorzugen einen Hauch Knoblauch, und wieder andere bereichern die Füllung – ganz im Sinne der tiefsten Traditionen des Tals – mit einer Prise lokalem, fermentiertem Käse, um ihm eine deutlich kräftigere Note zu verleihen. Diese Vielfalt ist der wahre Reichtum unserer Küche, ein immaterielles Kulturerbe, das aus einfachen Handgriffen und Zutaten besteht, die eng mit dem Land verbunden sind.

Davides Tipp: Wenn ihr euch in den Sommermonaten im Val Prino an die Zubereitung der „Torta verde“ wagt, solltet ihr vermeiden, den Backofen in den Mittagsstunden einzuschalten, wenn die Temperaturen besonders hoch sind. Die beste Zeit zum Backen ist früh am Morgen oder am Abend, wenn man die kühle Brise aus den Hügeln nutzen kann, die hinunter nach Costa Carnara weht. Um eine perfekte Konsistenz zu erzielen, sollten Sie außerdem niemals den Schritt des Einlegens der Mangoldblätter in Salz überspringen: Restfeuchtigkeit ist der Hauptgrund für einen matschigen Teigboden. Das Gemüse muss buchstäblich trocken sein, bevor es mit dem „Pasta matta“-Teig in Berührung kommt.

Foto di Christoph Hanssen su Pexels

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