Dolcedo und das Val Prino: Eine Reise durch die Gassen des ligurischen Hinterlands
Dolcedo, im Val Prino an der Riviera di Ponente gelegen, ist ein äußerst interessantes Reiseziel für alle, die im Sommer das ligurische Hinterland erkunden möchten. Seine „Caruggi“, die typischen engen Gassen, die die lokale Architektur prägen, bieten einen historischen und kulturellen Rundgang, der sich zwischen alten Steinhäusern und den Anbauflächen in den Hügeln schlängelt. Die Erkundung dieses Teils der Provinz Imperia vermittelt ein Verständnis dafür, wie sich die lokalen Gemeinschaften an ein geologisch komplexes Gebiet angepasst haben.
Die Geografie des Val Prino und das Gebiet von Dolcedo
Ligurien ist eine Region im Nordwesten Italiens, die im Süden vom Ligurischen Meer umspült wird und im Westen an Frankreich, im Norden an das Piemont und die Emilia-Romagna sowie im Südosten an die Toskana grenzt. Diese besondere geografische Lage, geprägt von einem schmalen Gebirgsbogen, der direkt auf den Golf von Genua blickt, hat historisch gesehen den für städtische Siedlungen und die Landwirtschaft verfügbaren Raum eingeschränkt. Die heutigen Verwaltungsgrenzen der Region decken sich weitgehend mit dem Gebiet, das einst von der Republik Genua regiert wurde; ihre heutige Ausdehnung wurde erreicht, als die Provinzen Genua und Porto Maurizio eine ähnliche Struktur wie heute annahmen.
Dolcedo liegt in der Provinz Imperia, die historisch mit Porto Maurizio verbunden ist, im Val Prino. Dieses Tal erstreckt sich vom hügeligen Hinterland bis hinunter zur Küste der „Riviera dei Fiori“. Im Sommer leitet die Beschaffenheit des Tals die Meeresbrisen in Kanäle und sorgt so für ein warmes, aber luftiges Klima – ideal für alle, die sich vorübergehend von den Stränden der Küste zurückziehen möchten, um die Wanderwege und die historischen Ortskerne in den Hügeln zu erkunden.
Die Architektur der „Caruggi“: Stein und die Verteidigung des Gebiets
Die „Caruggi“ von Dolcedo sind nicht bloß Verkehrswege, sondern das Ergebnis spezifischer Verteidigungs- und klimatischer Erfordernisse. Diese städtebauliche Struktur, die sich auch in anderen historischen Ortschaften im westlichen Ligurien und in den Grenzgebieten wiederfindet – wie La Brigue im benachbarten Roya-Tal oder Rocchetta Nervina im Nervia-Tal –, war eine Reaktion auf den Mangel an Ebenen. Die Wohnhäuser mussten so errichtet werden, dass jeder verfügbare Quadratmeter auf dem felsigen Hügel ausgenutzt wurde, wobei der für den Durchgang vorgesehene Raum zugunsten des Wohnraums reduziert wurde.
Zu den baulichen Merkmalen der „Caruggi“ gehören verschiedene für die Region typische architektonische Elemente:
- Die hohen, aneinandergebauten Häuser: Sie wurden entworfen, um den begrenzten Platz, den die felsigen Hänge bieten, optimal zu nutzen.
- Die Stützbögen: Steinverbindungen zwischen den darüberliegenden Gebäuden, die der strukturellen Verstärkung dienen.
- Die überdachten Durchgänge und engen Gassen: Sie dienen dazu, beständige Schattenbereiche zu schaffen und die Bewohner vor der Sommersonne zu schützen sowie das Vordringen eventueller Angreifer zu erschweren.
Der Farbkontrast zwischen den verputzten Fassaden und dem grauen Stein der Portale und Straßenpflaster prägt das Erscheinungsbild dieser Siedlungen. Bei einem Spaziergang durch die „Caruggi“ lassen sich bedeutende bauliche Details beobachten, wie beispielsweise die Holztüren, die Außentreppen aus Schiefer und die kleinen Plätze, die sich plötzlich zwischen den Gebäudewänden auftun.
Der Olivenanbau und die ländliche Landschaft im Sommer
Die Landschaft des Val Prino wird von Olivenhainen geprägt, einer Kulturpflanze, die das Erscheinungsbild der ligurischen Hügel neu definiert hat. Das raue und bergige Gebiet wurde durch den Bau von Terrassen, die von Trockenmauern aus lokalem Stein gestützt werden, fruchtbar gemacht. Diese landwirtschaftliche Ingenieursleistung ermöglichte die Anpflanzung von Olivenbäumen, die einen Großteil der Hügel rund um Dolcedo bedecken.
Im Sommer zeigen die Olivenhaine ihre typische schillernde Färbung: Im Wind wiegen sich die Blätter der Bäume und lassen ihre silberne Unterseite erkennen, wodurch ein farblicher Kontrast zum intensiven Grün der umgebenden Vegetation entsteht. Die Bewirtschaftung dieser Flächen erfordert ständige Pflege der Trockenmauern und die Säuberung des Unterholzes, was unerlässlich ist, um den Boden für die herbstliche Olivenernte vorzubereiten. Die lokale Landwirtschaft ist historisch auch mit dem Weinbau verbunden, wobei sich die Weinberge an die Hänge schmiegen und dem Gefälle des Geländes trotzen.
Veranstaltungen und Sommermärkte in Dolcedo
Während der Sommersaison wird Dolcedo dank der Organisation von Veranstaltungen, die die lokale Kultur und die regionalen Produkte in den Vordergrund stellen, zu einem Anziehungspunkt für Besucher der Riviera di Ponente. Der Markt von Dolcedo gehört zu den regelmäßigsten Veranstaltungen des Sommers und bietet einen Ausstellungsraum unter freiem Himmel, auf dem lokale Erzeuger und Handwerker ihre Waren präsentieren. An den Marktständen findet man typische Lebensmittel aus dem Val Prino, Kunsthandwerk und traditionelle Erzeugnisse.
Diese Veranstaltung ermöglicht es, das Dorf aktiv zu erleben, und fördert die Interaktion zwischen Einwohnern und Touristen, die das Hinterland als Ziel für ihre Ausflüge wählen. Die Nähe zur Küste der „Riviera dei Fiori“, die jährlich Millionen von Touristen anzieht, macht diese Veranstaltungen in den Hügeln zu einer wichtigen Ressource für die Diversifizierung des regionalen Tourismusangebots und ermöglicht es, die Besucherströme auch auf die Täler im Landesinneren zu verteilen.
Die Aufwertung der kleinen Ortschaften im Hinterland
Der Schutz und die Förderung der Bergdörfer werden durch nationale Zertifizierungen unterstützt, die ihre historische und ökologische Qualität bescheinigen. Der Verein „I Borghi più belli d’Italia“ (Die schönsten Dörfer Italiens), der 2002 im Rahmen des Tourismusrats der ANCI gegründet wurde, hat sich zum Ziel gesetzt, das große Erbe an Kunst, Geschichte und Landschaft zu bewahren und bekannt zu machen, das in den kleinen italienischen Ortschaften mit weniger als 15.000 Einwohnern erhalten geblieben ist. Ebenso verleiht der „Touring Club Italiano“ die „Bandiera Arancione“ (Orangefarbene Flagge) an Orte im Hinterland, die sich durch ein hochwertiges touristisches Angebot, die Aufwertung lokaler Ressourcen und ein nachhaltiges Umweltmanagement auszeichnen.
Dolcedo und die anderen Dörfer des Val Prino sind Teil dieses Förderprozesses, der darauf abzielt, der Entvölkerung der Binnengebiete durch die Förderung eines nachhaltigen und saisonunabhängigen Tourismus entgegenzuwirken. Die Erhaltung der architektonischen Integrität der „Caruggi“ und die Fortführung traditioneller landwirtschaftlicher Tätigkeiten sind entscheidende Faktoren, um die historische und kulturelle Kontinuität dieser Gemeinden zu gewährleisten.
Davides Tipp: Wenn ihr euch entscheidet, die „Caruggi“ von Dolcedo in den Sommermonaten zu erkunden, plant euren Spaziergang am frühen Morgen oder am späten Nachmittag, um die Stunden mit der stärksten Sonneneinstrahlung zu vermeiden. Nehmen Sie immer einen Vorrat an Wasser mit und tragen Sie geschlossene Schuhe mit rutschfester Sohle, die für das Gehen auf Stein geeignet sind: Die gepflasterten Gassen Liguriens weisen oft steile Steigungen auf und können auch ohne Regen rutschig sein.
Foto di Christoph Hanssen su Pexels