Bussana Vecchia: Reiseführer zum Künstlerdorf in Ligurien

Veröffentlicht am 11 August 2026

Bussana Vecchia: Geschichte, Wiederaufleben und Reiseführer für den Besuch des Künstlerdorfes im westlichen Ligurien

Der westliche Teil Liguriens beherbergt Orte, an denen die Geschichte die städtische und soziale Struktur der Region tiefgreifend verändert hat. Bussana Vecchia, auf einem Hügel hinter Sanremo und unweit der Küstenorte der „Riviera dei Fiori“ gelegen, stellt eines der einzigartigsten Beispiele für architektonische Wiederbelebung in Europa dar. Das Dorf, das nach einem tragischen Erdbeben jahrzehntelang verlassen war, hat dank der Initiative einer internationalen Künstlergemeinschaft ein zweites Leben gefunden.

Die Katastrophe von 1887: Das Ende des alten Bussana

Die Ursprünge des heutigen Erscheinungsbildes von Bussana Vecchia reichen bis zum Morgen des 23. Februar 1887 zurück. An diesem Tag erschütterte ein heftiges Erdbeben das Hinterland des westlichen Liguriens, insbesondere das Gebiet der Provinz Porto Maurizio (heute Teil der Provinz Imperia), und führte zum Einsturz eines Großteils der Häuser des Ortes sowie der Pfarrkirche Santa Maria delle Grazie. Das Erdbeben beschädigte die Steingebäude so schwer, dass die gesamte überlebende Bevölkerung gezwungen war, den Ort endgültig zu verlassen.

Die Bewohner zogen etwa drei Kilometer weiter talabwärts und gründeten an der ligurischen Küste die Siedlung Bussana Nuova. Über siebzig Jahre lang blieb das alte Bergdorf völlig unbewohnt und verwandelte sich in einen Trümmerhaufen, der von der wildwachsenden Vegetation der mediterranen Macchia überwuchert wurde. Die ausgehöhlten Häuser und die mit Trümmern bedeckten Straßen machten es zu einer Geisterstadt, die von der Kraft der Natur auf diesem schmalen Landstreifen zwischen den Alpen und dem Meer zeugte.

Der Aufschwung in den 1960er Jahren und die internationale Gemeinschaft

Die Geschichte von Bussana Vecchia nahm Ende der 1950er Jahre eine unerwartete Wendung. Einige Künstler waren von der Struktur des Dorfes beeindruckt und beschlossen, sich dort niederzulassen, um eine Arbeits- und Lebensgemeinschaft zu gründen. Die Grundidee war einfach: Die beschädigten Gebäude sollten wiederhergestellt werden, ohne ihren ursprünglichen Charakter zu verändern, wobei ausschließlich vor Ort verfügbare Materialien wie Steine aus den Trümmern, Holz und Schiefer verwendet wurden.

So entstand eine regelrechte Gemeinschaftsregel, die das Leben im Dorf bestimmte: Die Häuser gehörten nicht den einzelnen Bewohnern, sondern wurden auf eigene Kosten für künstlerische Zwecke bewohnt und restauriert. In den 1960er- und 1970er-Jahren ließen sich Künstler, Maler, Bildhauer, Musiker und Handwerker aus ganz Europa in Bussana Vecchia nieder. Der anfängliche Mangel an grundlegenden Versorgungsleistungen wie Strom, fließendem Wasser und Kanalisation entmutigte die neuen Bewohner nicht; sie organisierten das Gemeinschaftsleben auf der Grundlage gegenseitiger Zusammenarbeit und definierten damit das Konzept eines Bergdorfs neu.

Sehenswürdigkeiten in Bussana Vecchia während der Sommersaison

Ein Besuch in Bussana Vecchia im Sommer ermöglicht es, aus nächster Nähe zu beobachten, wie zeitgenössische Kunst und die ländliche Architektur Liguriens zu einem einzigen Gesamtbild verschmolzen sind. Der Zugang zum Dorf ist ausschließlich Fußgängern vorbehalten, und ein Spaziergang durch die mit Stein gepflasterten Gassen offenbart historische bauliche Details, wobei die Wände der alten Häuser als Träger für Skulpturen, Installationen und Gemälde dienen, die im Freien ausgestellt sind.

Die Ruinen der Kirche Santa Maria delle Grazie

Die große Dorfkirche, die durch das Erdbeben von 1887 zerstört wurde, bildet den optischen Mittelpunkt des Dorfes. Die Außenmauern und einige Seitenkapellen weisen noch Spuren von Stuckarbeiten und Fresken aus dem 19. Jahrhundert auf, während das vollständig eingestürzte Dach das Innere der Kirche dem offenen Himmel aussetzt. Es handelt sich um ein historisches Denkmal, dessen obere Tragwerke nicht restauriert, sondern aus Sicherheitsgründen gesichert wurden und das von der Wucht des Erdbebens im 19. Jahrhundert zeugt.

Die Handwerksbetriebe und Ateliers

Entlang der Gassen öffnen sich zahlreiche Werkstätten und Ausstellungsgalerien, die von den hier ansässigen Künstlern betrieben werden. In den Sommermonaten sind die Werkstätten für die Öffentlichkeit zugänglich, und man kann die Herstellung von Keramik, die Malerei auf Leinwand, die Bildhauerei in Stein oder Holz sowie die Fertigung von handgefertigtem Schmuck beobachten. Jedes Atelier spiegelt den persönlichen Stil des jeweiligen Künstlers wider, wodurch der Spaziergang durch das Dorf zu einem ständigen Entdeckungserlebnis des lokalen Handwerks wird.

Der Botanische Garten und die Wege im Inneren

In einigen sanierten Bereichen des Dorfes wurden kleine Terrassengärten angelegt, in denen typische Pflanzen des mediterranen Klimas sowie exotische Arten wachsen, die sich perfekt in die Trockenmauern einfügen. Diese Bereiche bieten kühle Schattenplätze, die an heißen Sommertagen besonders geschätzt werden, und ermöglichen einen Blick über das umliegende Tal bis hin zum Ligurischen Meer.

Die umliegende Landschaft: Olivenhaine und Terrassenlandschaften im westlichen Ligurien

Der Aufstieg nach Bussana Vecchia bietet zudem die Gelegenheit, die für das Hinterland des westlichen Liguriens typische Agrarlandschaft aus nächster Nähe zu betrachten. Dieser Teil der Region zeichnet sich durch eine bergige Landschaft aus, die steil zum Meer hin abfällt – ein Gebiet, in dem es historisch gesehen nur wenige ebene Flächen gab. Um diese steilen Hänge bebaubar zu machen, mussten frühere Generationen den Fels fruchtbar machen und ein dichtes Netz aus Terrassen anlegen, die von Trockenmauern gestützt werden.

Entlang der Hänge, die das Dorf umgeben, erstrecken sich Olivenhaine, in denen hauptsächlich die Olivensorte „Taggiasca“ angebaut wird, sowie Weinberge, die sich an die steilsten Hänge schmiegen. Diese bäuerliche Ingenieursleistung ermöglichte es, die Hänge zu stabilisieren und eine unwegsame Landschaft in ein produktives landwirtschaftliches Gebiet zu verwandeln. Im Sommer prägt der Kontrast zwischen dem Grau der Olivenblätter, dem Braun der Trockenmauern und dem Blau des Himmels das visuelle Erscheinungsbild der Riviera dei Fiori und ihrer Täler.

Praktische Informationen für den Besuch

Die geografische Lage von Bussana Vecchia erfordert einige logistische Vorkehrungen für diejenigen, die das Dorf im Sommer besuchen möchten. Das Dorf liegt auf einem Felsvorsprung, und seine Straßen sind steil, eng und mit Flusskieseln und unregelmäßigen Steinen gepflastert.

  • Anfahrt und Parken: Die Straße, die von Bussana Nuova hinaufführt, ist schmal und weist mehrere Kehren auf. In den Sommermonaten ist der Besucherstrom groß, und die verfügbaren Parkplätze entlang der Straße vor dem Ortseingang sind begrenzt. Es empfiehlt sich, den Besuch in den frühen Morgenstunden oder am späten Nachmittag zu planen, um Stoßzeiten zu vermeiden und die Parkplatzsuche zu erleichtern.
  • Empfohlene Kleidung: Um die Gassen sicher zu begehen und ein Ausrutschen auf den glatten Steinen zu vermeiden, ist es unerlässlich, bequeme Schuhe mit rutschfester Gummisohle zu tragen. Kinderwagen und Rollstühle können aufgrund der Stufen und des Gefälles der Straßen erhebliche Schwierigkeiten haben.
  • Angebot im Dorf: Im Dorf gibt es einige Imbissstuben und Cafés, in denen man Wasser und Essen kaufen kann, doch das Angebot ist im Vergleich zu den Küstenorten der Riviera dei Fiori begrenzt.
Davides Tipp: Wenn ihr euch entscheidet, Bussana Vecchia im Hochsommer zu besuchen, solltet ihr die Mittagsstunden unbedingt meiden, da die Sonne dann stark auf die Steine des Dorfes brennt und es kaum Schatten gibt. Nehmen Sie einen ausreichenden Vorrat an Wasser mit und tragen Sie Wanderschuhe oder zumindest Schuhe mit sehr griffiger Sohle: Das Pflaster der Gassen, das durch den Verkehr und die Zeit glatt geschliffen ist, kann extrem rutschig sein. Schließlich ist die Zufahrtsstraße schmal und in den Kehren ist die Sicht eingeschränkt; wenn ihr auf ein anderes Fahrzeug trefft, bewahrt Ruhe und fahrt im Schritttempo weiter.

Foto di Christoph Hanssen su Pexels

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